Für diese ganz besondere Folge haben wir uns erneut Uli Blennemann von Spielworxx eingeladen, der mit seiner Expertise dieses Thema bereichert. Wir beschäftigen uns mit der Geschichte der Wargames in Deutschland. Warum es überhaupt schwierig war die Terminologie des Wargames zu benutzen und man lieber den Begriff Cosim benutzt hat? Was sind für uns Wargames/Cosims und wie definieren wir diese Begriffe? Außerdem überlegen wir in der dreier Runde, warum eigentlich jedeR mal ein Wargame ausprobieren sollte und welches wir dann empfehlen würden. Dazu ist es wichtig, welche moralischen Dilemmata einem entgegen kommen, wenn man sich mit Wargames beschäftigt und sie spielt.

Zu Beginn öffnen wir unsere Spielevitas: Wie haben wir angefangen und was waren bei uns die Türöffner-Spiele zu diesem Thema. Bei uns allen hat es wohl mit Risiko angefangen, welches wir in der Jugend alle gespielt hatten. Martina hat ja erst nach dem Studium wieder mit dem Spielen begonnen und so kam als eines der ersten Spiele mit Kriegsthema Wallenstein auf den Tisch, recht schnell gefolgt vor dem ersten “richtigen” Wargame Here I Stand und Age of Renaissance. Im Jahr 2016 ging es dann richtig los damit, sowohl Klassiker als auch Systeme zu erarbeiten: 1775: Rebellion, Twillight Struggle, Liberty or Death als erstes COIN, Space Empires 4X und Elisabeth. Danach folgten noch No Retreat: Russian Front und Axis & Allies.

Bei Björn fing das Thema der Wargames mit Shogun an, dazu noch Axis & Allies und Starquest. Lieblingsspiel bis heute ist immer noch Twillight Imperium 3. Ein Spiel mit sehr guten Mechanismen ist für ihn Runewars. Während der ganzen Zeit hat er diverse Tabletop Spiele gespielt. Natürlich hat auch Björn Twillight Struggle gespielt; das überproduzierte Tide of Iron war nicht so wirklich Seins. Der Klassiker Diplomacy durfte natürlich nicht fehlen.

Klassische und gute Wargames, die immer mal wieder genannt werden in dieser Folge sind ASL (Advanced Squad Leader) und Memoir 44.

Besonders spannen ist aber der Werdegang von Uli, der natürlich auch Risiko gespielt hat, wie wir alle. Sein erstes “richtiges” Wargame war Borodino welches er mit seinem Bruder entdeckt hat. Als weitere Spiele folgten Diplomacy, auch mit relativ vielen Partien auch per Post, Civilization Advanced Civilization Cosmic Encounter und Car Wars. Die meisten 2er Cosims spielt er während seiner Schulzeit mit seinem Bruder. Erst viel später kamen die sogenannten Euro Games bei Uli dazu, seine erste Liebe gilt dem Wargame.

Nach dem spannenden Austausch unserer Werdegänge im Bereich der Wargames widmen wir uns diesen und welche Geschichten wir mit Wargames erleben. Es geht nicht um Sieg oder Niederlage, es geht um das soziale Erlebnis. Wer spielt eigentlich Wargames, wie kommt man eigentlich dazu diese zu spielen. Warum spielen eigentlich so wenig Frauen Cosims? Wie fühlen sich lange Spiele an oder auch lange Spieletreffen? Wir versuchen für euch die Begriffe Wargame/Cosim zu definieren und Uli erklärt das im Kontext der Geschichte. Dazu gehen wir auch auf die typischen Vorurteile gegenüber Wargamern ein. Warum heute noch viele SpielerInnen lieber von Cosims reden als den Begriff des Wargames zu benutzen.

Wenn ihr Lust bekommen habt mal ein Wargame auszuprobieren, haben wir Spiele für euch zusammen getragen, die euch den Einstieg erleichtern können: RootTwilight Imperium 4, Runewars, viele der FFG Spiele, Twillight Struggle, CDGs (Card Driven Games), A few acres of snow, COIN Serie, Memoir 44 und Command and Colors.

Wir wünsche euch viel Spaß bei dieser Folge, vielen Dank an Uli, der schon wieder mit uns fast 4 Stunden gepodcastet hat.

Schaut mal über euren Tellerrand! Ich mach mich an meine Hausaufgabe…

Spielworxx Weekly Chat mit Elizabeth Hargrave

Spielworxx Twitter/Twich/YT

GhS

10 Kommentare

  1. Sehr interessante Folge mit spannenden Diskussionen.

    Zum Thema solo: Ich kann verstehen, wenn man kein Bock auf solo hat. Jedoch sei mir der Hinweis erlaubt, dass COIN und Pax Pamir auch nicht die besten Solotitel sind. Die Bots bei COIN sind tatsächlich sehr aufwändig und nervig und Pax Pamir muss man gegen mind. zwei Menschen spielen.
    Aber gerade die Wargames halten einige interessante Solotitel bereit. Exemplarisch seien hier mal die Titel von John Butterfield genannt (Enemy Action Ardennes, D Day at …, Ambush!, RAF Battle of Britain) und auch VPG (Dawn of the Zeds) als auch DVG (Castle Itter, Pavlov’s House) haben interessante Solotitel.

    1. Martina Fuchs
      Author

      Hallo Klaus,

      vielen Dank für deine Tipps. Da ich eigentlich nie in die Versuchung komme solo zu spielen, würde ich nur Titel solo spielen, da ich gerade die Runden für meine COINs etc. nicht zusammen bekomme. Bzw. ist mein mit gerade ja die Tätigkeit in der SdJ Jury ein Grund, warum im Moment weniger Wargames auf den Tisch kommen.

      LG Martina

  2. Hallo Fux und Bär

    Bin gerade dabei diese Folge zu hören und will dazu noch was sagen. Der Bär hat gemeint, dass die Gamemaster Serie von MB nur aus Axis & Allies, Shogun und Fortress America (übrigens ist das nicht für fünf Spieler sondern nur für vier) besteht. Es gehören aber noch zwei weitere Spiele dazu. Zum einen Conquest of the empire (altes Rom), das vor ein paar Jahren von Eagle Games nochmals veröffentlich wurde. Und ausserdem gab es noch Broadsides & Boarding Party, eine Seekampfsimulation für zwei Spieler.
    Liebe Grüsse aus der Schweiz
    Walter

  3. Hallo ihr drei,
    schöne Folge, bin noch nicht ganz durch, freue mich aber aufs weitere Anhören.
    Bei eurer Diskussion über Frauen bei Wargames ist mir folgendes aufgefallen: Der Hinweis auf die durch Frauen meist mehr geleistete Arbeit im Care-Umfeld ist auch aus meiner Sicht richtig und zutreffend.
    Es fehlte mir bei euch aber zumindest die Überlegung, was sich ändern könnte. Zu allererst doch wohl: Weshalb bringen sich Männer nicht gleichermaßen ein und ermöglichen ihren Partnerinnen so viel Freizeit, dass beide Partner zu gleichen Teilen an Freizeit teilhaben können?
    Einfach die Freizeit selbst nehmen und dann sage, och, tut mir leid, dass der Partnerin keine Freizeit bleibt, ist irgendwie komisch, oder? (Ich kenne auch Frauen, die ihre Männer nicht wirklich an die Care Arbeit lassen – das ist aber auch etwas, an dem beide Partner etwas ändern können. Wenn sie denn wollen.)
    Ansonsten: Es schreibt hier die Frau, die jahrelang Anfang der 2000er Jahre im damaligen Spielbox-Forum als DIE Expertin für Zeitalter der Renaissance galt 🙂 Und die von einem regelmäßigen Hexacon-Besucher mehrmals darauf aufmerksam gemacht wurde, dass Frauen keinen Eintritt zahlen müssten. Hab es trotzdem nie dorthin geschafft…
    Alles Gute von Kathrin.

    1. Martina Fuchs
      Author

      Hallo Katrin,

      vielen Dank für deinen Kommentar.
      Wenn ich die Lösung hätte für das Problem, dass Frauen sich weniger Freizeit nehmen, wäre das echt toll. Meine Mutter hatte sich ganz klar immer auch ihre Auszeit genommen und was nur für sich gemacht, ganz aktiv. Ich bin also so aufgewachsen. Aber was ich ihn meinem Umfeld erlebe und beobachte sind wir da meilenweit davon entfernt, leider.
      Ich habe über dieses Thema übrigens ausführlicher in einem Podcast des SdJ gesprochen: Frauen in der Spieleszene: https://www.spiel-des-jahres.de/frauen-2/

      Interessant, dass du auch nie zur Hexacon gefahren bist… Was hält uns Frauen wohl ab dahin zu fahren? Und zu Zeitalter der Renaissance: Da müssen wir uns wohl mal für eine Partie treffen.

      Alles Liebe
      Martina

      1. Liebe Martina,
        vielen Dank für deine Antwort!
        Ja, den Podcast von SdJ habe ich auch gehört. Ist insgesamt ein schwieriges Thema, das stimmt schon. Und mit individueller Initiative auch nicht global zu lösen. Daher war mein Kommentar mehr in die Richtung gemeint, anzuregen, zumindest darüber zu sprechen, dass es eigentlich anders sein sollte. Ich setze mich bei der Arbeit (IT, sehr Männerlastigkeit) dafür ein, dass sich Frauen mehr trauen, dort ihre Karriere zu machen. Am meisten bin ich wohl vor allem einfach lebendes Beispiel.
        Es gab eigentlich keinen besonderen Grund für mich, nicht zur Hexacon zu fahren, unser Freund kam eben auf dem Weg dorthin bei uns vorbei, wir haben bei uns gespielt, und er fuhr dann weiter. Durch ihn sind wir auch zu Twilight Struggle gekommen, oder haben auch mal Titel von GMT gespielt.
        Und Zeitalter der Renaissance: Herzlich gerne! Ich spreche hiermit sehr gerne eine Einladung ins schöne Nordbaden aus – oder es klappt mal bei einem Spieletreffen!
        Alles Gute wünscht Kathrin.

  4. Ich melde mich freiwillig für deine Hausaufgabe. 🙂

      1. Liebe Martina,

        wenn das geht, natürlich auch gerne mal wieder am Tisch eine Partie Here I Stand (Jubiläumsedition) oder Elisabeth I. Aber ich hatte die “Hausaufgabe” von Uli so verstanden, dass du eine 6er-Runde Live-Spiel per Vassal und z.B. Skype organisieren mögest für zwei Samstage – wenn du dazu den Kopf hast. Und das ginge ja auch jetzt schon.
        Wie auch immer: melde dich, wenn du einen begeisterten Elisabeth-Mitspieler brauchst.

        Schöne Grüße
        Martin

  5. Eine wirklich tolle Folge – auch wenn ich noch nicht ganz durch bin. Als (noch) vorwiegender Euro-Gamer musste ich aber schon ein bisschen das Gesicht verziehen, bei Eurer Vermutung, dass einprägsame Spielerlebnisse bei Euros kaum denkbar sind. Aus dem Bauch heraus habe ich sofort gedacht: Ne, stimmt doch gar nicht.

    Dann habe ich darüber ein bisschen nachgedacht, denn mir persönlich sind sofort zwei Spielrunden in den Kopf geschossen, an die ich immer wieder denken muss, weil sie so nachdrückliche Spielerlebnisse geboten haben.
    Da wäre zum einen eine Partie “Brass Birmingham” und eine Partie “Das tiefe Land”. Ich kann mich bis heute noch ganz genau an diese Momente erinnern und sie erzeugen noch immer diese “Man, weißt du noch damals…”-Gefühl.

    Warum ist das so und warum habt ihr eventuell doch recht mit der Vermutung, dass solche Momente in Wargames häufiger entstehen können?

    Meiner Meinung nach hängt es ganz stark damit zusammen, was auf dem Spiel steht (also nicht auf der Schachtel, ihr versteht schon). Viele Eurogames sind trotz ihrer eng verzahnten Spielmechaniken in ihren Spielzügen sehr repetitiv und kleinteilig und ergeben erst auf lange Sicht einen größeren Zusammenhang. Lässt sich das komplett durchplanen, im “schlimmsten” Fall vielleicht sogar ohne direkte Interventionen der Mitspieler*innen oder des Zufalls, steht einfach ziemlich wenig auf dem Spiel. Denn im Idealfall kann das gesamte Spielgeschehen vorher duschkalkuliert werden.
    In beiden Fällen meiner erinnerungswürdigen Partien gab es aber dermaßen viel Interaktion zwischen den Mitspieler*innen, dass der Ausgang des Spiels am seidenen Faden hing.
    Bei Brass Birmingham hatte sich eine Situation ergeben, in der ich nur gewinnen konnte, wenn ich eine neue Brauerei baue. Das Ganze aber mit dem Risiko, dass eine ungünstige Aktion des folgenden Spielers eine Kette in Gang setzen könnte, die dazu führen würde, dass der Dritte in der Runde mein Bier nutzt. Naja, Ihr dürft raten, was passiert ist.
    Beim Tiefen Land hat mein Sohn mit einer grausamen Entscheidung in Verbindung mit der ungünstigsten Flutkarte einfach den Deich brechen lassen, den er das ganze Spiel über fleißig gebaut und uns in Sicherheit gewogen hat. Das Resultat: Mir und einem anderen Mitspieler ist jeweils mehr als die Hälfte unserer Schafe ertrunken, mein Sohn hat haushoch gewonnen und alles, was ich während Spiels aufgebaut habe, wurde in die Nordsee gespült.
    Trotzdem hat es sich in beiden Fällen nicht schlecht, sondern absolut richtig angefühlt. Es war ein Spiel mit dem Risiko, das ich ganz bewusst eingegangen bin.
    Also meine Vermutung: Je mehr auf dem Spiel steht, je mehr die Risiken eskalieren, je mehr der Zufall und die Mitspieler*innen Stöcke zwischen die spielerischen Speichen werfen könnten, desto größer wird die Wahrscheinlichkeit für solch einprägsame Erlebnisse. Und all das wird es wahrscheinlich eher in längeren und interaktiveren Spielen geben.

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